Satt aber mangelernährt

Die Pizza wird geliefert, im Kino gibt es Tacos mit Käsesauce und die Brötchen von der Tankstelle – das Angebot und der Konsum von Lebensmitteln haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Kein Wunder, dass damit auch nicht mehr die gleiche Zusammenstellung und Menge an Nährstoffen aufgenommen wird wie früher. Im Schwimmbad sehen wir selbst, was Studien beweisen: 66 % der Männer und ca. 51 % der Frauen sind übergewichtig (BMI ≥ 25) oder adipös (fettsüchtig, BMI ≥30).
Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil Übergewichtiger und Fettsüchtiger sogar noch an:
Im Alter zwischen 70 und 80 Jahren sind 84 % der Männer und 77 % der Frauen übergewichtig oder adipös.

Erwachsene – aber auch Kinder ­– hierzulande ernähren sich nicht gesund genug.

Nationale Verzehrstudie II

Die Nationale Verzehrsstudie II des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat Ernährungsgewohnheiten der Deutschen und die Zusammensetzung ihrer Mahlzeiten erfasst. In der Studie konnten die Höhe des Fettanteils, sowie Art und Menge von Vitaminen und Mineralstoffen in der täglichen Kost festgestellt werden.
Es stellten sich folgende Defizite heraus:
59 % essen zu wenig Obst.
87 % essen zu wenig Gemüse.
80 % unterschreiten die empfohlene Menge an Folsäure.
Die Ballaststoffzufuhr ist deutlich zu gering.
75 % der gebärfähigen Frauen nehmen zu wenig Eisen auf.
Es besteht ein deutlicher Mangel an Vitamin D.

Warum ernähren wir uns so schlecht?

Unser Alltag in Schule, Arbeitsleben und Familie hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert: Immer mehr Frauen sind berufstätig. Kinder essen mittags in der Schule. Für das Kochen bleibt kaum Zeit und oft kommen ohnehin nicht alle gleichzeitig nach Hause. Singles sparen sich eine aufwändige Zubereitung und greifen lieber zu fertigen oder halbfertigen Gerichten. Es werden ja genügend Lebensmittel angeboten, die schon gewaschen, geschält, zerkleinert oder mit Sauce angerichtet sind. Und die enthalten dann leider oft viel Fett, Kohlenhydrate und tierisches Eiweiß, aber wenig Vitamine, Mineralstoffe und Sekundäre Pflanzenstoffe. Die gekaufte Pizza ist schnell zur Hand und schmeckt ja auch gut.

Was können wir besser machen?

Die Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt, sich vollwertig und vorwiegend mit pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren. Dazu hat sie auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse 10 Regeln aufgestellt:
- vielseitig essen
- reichlich Getreideprodukte – und Kartoffeln
- 5 Portionen Gemüse und Obst am Tag
- täglich Milch und Milchprodukte, ein- bis zweimal in der Woche Fisch. Fleisch, Wurstwaren und Eier in Maßen.
- wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
- Zucker und Salz in Maßen
- reichlich Flüssigkeit trinken
- schmackhaft und schonend zubereiten
- sich Zeit nehmen und genießen
- auf das Gewicht achten und sich 30-60 Minuten am Tag bewegen

Schlechte Ernährungsgewohnheiten sind oft die Folge schlechter Vorbilder. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern mit gutem Beispiel vorangehen. Gemeinsam kochen weckt die Lust auf Neues und macht Spaß. Und das kann man auch mit Freunden machen.