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Wir mögen es, wenn es grün ist und um uns herum alles blüht. Wir lieben den Frühling. Den Mai bezeichnen wir liebevoll als „Wonnemonat“ – gute Laune, Optimismus und Tatendrang sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Die für viele Menschen schönste Zeit des Jahres ist gekommen. Eigentlich. Doch für einen stetig wachsenden Teil der Bevölkerung hat der Frühling auch seine Schattenseite. Der Wucht der sprießenden aufblühenden Natur blicken sie mit Grauen entgegen. Sie haben eine Pollenallergie und gehören zu den rund 15 % der Erwachsenen, die in Deutschland und Österreich mehr oder weniger stark darunter leiden. Tränende Augen und triefende Nasen sind die häufigsten Symptome. Zu allem Unglück sind diese allergischen Reaktionen kein kurzes Intermezzo. Sie beginnen mit dem ersten Pollenflug zu Beginn des Frühlings und können bis spät in das Jahr hineinreichen. Abhilfe ist kaum in Sicht, aber es gibt eine Reihe von Tipps, die helfen, die Heftigkeit der Symptome zu mildern. Ein Blick darauf lohnt sich für die Betroffenen allemal. Alle anderen können heilfroh sein, dass sie sich ohne Einschränkungen über den Frühling freuen können. Um  potentielle Maßnahmen fundiert erläutern zu können, bedarf es zuvor aber noch eines kleinen Exkurses in die Wissenschaft. Was ist überhaupt eine Pollenallergie und was genau passiert im Körper, wenn sie zu Tage tritt?

Vom Winde verweht

Per Definition sprechen Experten von einer „pollenbedingten allergischen Rhinitis“, umgangssprachlich auch als Heuschnupfen bekannt. Bei Pollen handelt es sich um das männliche Erbgut in dem von den Pflanzen freigesetzten Blütenstaub, der die allergische Reaktion hervorruft. Die am häufigsten anzutreffenden Allergien werden von Gräser- und Getreidepollen sowie den Pollen frühblühender Bäume verursacht. Dazu zählen u. a. Hasel, Erle und Birke.

Die Art und Weise, wie Pflanzen ihre Pollen zwecks Vermehrung verbreiten, unterscheidet sich in erster Linie durch ihre „Helfer“. Zum einen sind es Insekten, zum anderen der Wind.  Insektenbestäubende Pflanzen haben relativ schwere und klebrige Pollen, ihre Anzahl ist vergleichsweise gering. Für Allergiker stellen diese Pflanzen normalerweise ein eher geringeres Problem dar. Ganz anders sieht es bei Windbestäubern aus. Hier nimmt die Anzahl der ausgesandten Pollen gigantische Ausmaße an. Eine einzige Roggenähre zum Beispiel setzt mehr als 4 Millionen Pollenkörner frei. Sie sind sehr klein und extrem leicht. Das fördert ihre Flugfähigkeit. Solche Pollen können bis zu 300 Kilometer weit durch die Luft treiben.

Das Immunsystem schreitet ein

Die unerwünschten Symptome sind auf eine Reaktion des eigenen Immunsystems zurückzuführen. Einige wenige Pollenkörner reichen bei Allergikern bereits, um den unangenehmen Abwehrprozess in Gang zu setzen. Bei einer Pollenallergie spricht man vom sogenannten „Soforttyp“ oder einer Allergie vom Typ I. Beim ersten Kontakt werden bestimmte Antikörper gebildet, die sich den Pollen entgegenstellen. Der Bauplan wird vom Immunsystem gespeichert. Das hat zur Folge, dass bei einem erneuten Kontakt mit den auslösenden Pollen diese Antikörper in Windeseile vom Organismus produziert und zur Verteidigung „losgeschickt“ werden. Dies erklärt auch, warum die Allergie an den Körperstellen auftritt, die unmittelbar mit den Allergenen in Berührung kommen. Dies sind vor allem die Schleimhaut der Nase und die Bindehaut der Augen. Tränenfluss, Fließschnupfen, Niesattacken sowie Reizung und Anschwellen der Schleimhäute sind die nur zu gut bekannten Folgen. Dies ist nicht nur unangenehm, sondern hat häufig noch weitreichendere Effekte. Betroffene schlafen schlecht und fühlen sich oft erschöpft. Dadurch wird auch die Leistungsfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu kommt, dass bei einem Verlauf über mehrere Jahre irgendwann auch die unteren Atemwege empfindlich reagieren können und Asthma bronchiale droht.

Eine Allergie kommt selten allein

Die Frage, wie es zu einer Pollenallergie kommen kann, ist verhältnismäßig komplex. Erwiesenermaßen gibt es eine erbliche Veranlagung zur Pollenallergie. Allerdings können auch Luftverschmutzung, Feinstaubbelastung und übertriebene Hygiene der Auslöser sein. Zwar sind Pollenallergien – im Gegensatz zu Allergien gegen Schimmelpilze, Hausstaubmilben oder Tierallergene – saisonal, doch die Leidenszeit kann sich trotzdem sehr lange hinziehen. Die meisten Pollenallergiker reagieren nämlich nicht nur auf eine Blütenpflanze, sondern gleich auf mehrere. Da diese meist unterschiedliche Blütenzeiten aufweisen, können die Symptome im ungünstigsten Falle von Januar bis Oktober auftreten.

Zudem stellen Allergiker häufig fest, dass sie bestimmte Nahrungsmittel nicht mehr vertragen. Es treten sogenannte Kreuzreaktionen oder auch „pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien“ auf. Dieses ist auf die ähnliche Struktur der allergieauslösenden Stoffe zurückzuführen. So ähneln beispielsweise die Allergene der Birkenblüten häufig den Strukturen bestimmter Eiweißstoffe aus Stein- und Kernobst (Apfel, Birne, Pfirsich). Menschen mit einer Gräserallergie vertragen oft auch keine Hülsenfrüchte wie Soja und Erdnüsse und können zudem Probleme beim Verzehr von Getreideprodukten aufweisen. Bei einer Kräuterpollenallergie können viele Gewürze, Kamille, Sellerie und Mohrrüben Probleme auslösen. Dennoch sollte man die entsprechenden Nahrungsmittel nicht gleich pauschal meiden, sondern nur dann gezielt darauf verzichten, wenn im Zusammenhang mit dem Verzehr auch wirklich Beschwerden bekannt sind. Andernfalls kann es die Entstehung einer einseitigen Ernährung und im schlimmsten Falle Mikronährstoffmängel begünstigen.

Nützliche Tipps zur Selbsthilfe

Ein Wundermittel, das die Allergie ein für alle Mal „wegzaubert“, gibt es nicht. Schade, denn es wäre gewiss ein Bestseller, der viele Menschen glücklich machen würde. Aber es gibt eine Reihe von Tipps und Empfehlungen jenseits der Arzneimittel, wie man die Heftigkeit der Reaktionen abmildern kann. Pollenschutzgitter an den Fenstern können verhindern, dass zu viele Pollen in die eigenen vier Wände gelangen. Allerdings wird dadurch auch der Luftaustausch deutlich vermindert, so dass die Lüftungszeiten verlängert werden sollten. So schwer es im Sommer auch fallen mag, Allergiker sollten beim Autofahren die Fenster geschlossen halten und die Pollenfilter der Lüftungsanlage regelmäßig – mindestens einmal im Jahr – erneuern. Abschließende Sonnenbrillen und regelmäßige Nasenduschen können ebenfalls helfen. Noch effektiver ist es, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. Dies ist seit Ausbruch der Coronakrise längst nicht mehr so ungewohnt, wie es noch im letzten Sommer gewesen wäre. Zu Hause können Luftreinigungsgeräte und Staubsauger mit Hepa-Filter die Pollenkonzentration in der Raumluft spürbar senken. Auch der eigene Wohnort kann eine Rolle spielen. In ländlichen Gebieten ist die Pollenkonzentration von den Morgen- bis zu den Mittagsstunden am höchsten. In der Stadt steigt die Belastung dagegen eher zum Abend hin an. Entsprechend sollte in der Stadtwohnung eher morgens und auf dem Land besser abends gelüftet werden. Unabhängig davon ist es eine gute Idee, die Straßenkleidung vor dem Zubettgehen außerhalb des Schlafzimmers auszuziehen. Wer es einrichten kann, wäscht sich abends noch die Haare, um anhaftende Pollen auszuspülen.

Warum es wichtig ist, die Ernährung im Auge zu behalten

Im Zuge der Abwehrreaktion des Körpers gegen die Eiweißstoffe der Pollen wird der Botenstoff Histamin freigesetzt. Durchlässigkeit und Durchblutung der Blutgefäße werden so erhöht und dem Körper wird eine schnelle Immunreaktion ermöglicht. Der Nachteil: Es kommt zu den typischen Allergiesymptomen wie Juckreiz, Rötungen sowie Schleim- und Tränenproduktion.

Um den Gehalt des Botenstoffes zu Allergiezeiten nicht unnötig zu erhöhen, empfiehlt sich eine histaminarme Ernährung. Der Verzehr von gereiftem Käse, geräucherten oder gepökelten Fleischwaren, Essig, hefehaltigen Fertigprodukten und von kakaohaltigen Süßwaren sollte somit unbedingt reduziert werden. Doch auch mit Hülsenfrüchten, Tomaten und Obst, wie beispielsweise Zitrusfrüchten, sollte vorsichtig umgegangen werden.

Ebenfalls hilfreich ist ein Alkoholverzicht, denn Alkohol bewirkt eine zusätzliche Histaminfreisetzung und hemmt gleichzeitig das zum Histaminabbau notwendige Enzym Diaminooxidase (DAO).

Gleichzeitig sollten Allergiker auf eine vitaminreiche Ernährung achten, da verschiedene Mikronährstoffe unserer Nahrung dazu beitragen können, die Allergiesaison besser durchzustehen. So sind beispielsweise Vitamin C, Vitamin B6 und Zink wichtige Cofaktoren der DAO und unterstützen so den reibungslosen Abbau des Histamins. Ebenfalls hilfreich wird der ausreichende Verzehr von Magnesium und Kupfer beschrieben. Durch die Reize eines Allergens werden Calciumionen aus ihren Speichern freigesetzt und verursachen so die Ausschüttung von Histamin. Magnesium wird benötigt, um das Calcium wieder in seine Speicher zurückzugeleiten. Ist die Magnesiumversorgung nicht optimal, wird das Histamin länger ausgeschüttet und Allergiker haben länger an ihren Symptomen zu leiden.

Die Schleimhäute werden im Falle einer Pollenallergie besonders gereizt, weshalb es lohnenswert sein kann, sie mit essenziellen Nährstoffen zu unterstützen. Biotin und die B-Vitamine Riboflavin (B2) und Niacin (B3) tragen zum Erhalt normaler Schleimhäute bei. Zudem können aus Oligopeptiden (Aminosäurekette) und Polysacchariden (Vielfachzucker) sogenannte Mucine produziert werden, welche die Schleimhäute des Darms und der Atemwege schützend umhüllen.
Ebenfalls sollte auf eine adäquate Befeuchtung der Schleimhäute geachtet werden. Daher gilt, wie sonst auch, über den Tag verteilt, ausreichend Flüssigkeit in Form von Wasser und ungesüßten Tees aufzunehmen.

Fazit:

Wer von einer Pollenallergie betroffen ist, tut sich in der Regel schwer, den Frühling und den Sommer unbeschwert zu genießen. Allerdings lassen sich die Probleme mit einigen gezielten Maßnahmen besser in den Griff kriegen. Dazu gehört auch eine achtsame und vitaminreiche Ernährung.