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Die überwiegende Mehrheit dürfte diese Frage wohl mit einem klaren „Ja!“ beantworten. Ein Grund liegt offensichtlich auf der Hand, denn längst ist Schokolade zu einem Inbegriff der „Belohnung“ geworden. Und dabei spielt es kaum eine Rolle, ob man sich selbst für etwas belohnt oder die köstliche Anerkennung aus anderer Hand erhält. Belohnungen erzeugen ganz automatisch ein positives Hochgefühl. Doch viel interessanter (und auch wesentlich spannender) ist die Frage, wie es aussieht, wenn die Belohnungspsychologie keine Rolle spielt und man die Schokolade einfach so isst. Oder bei Frust und Kummer. Stellt sich dann trotzdem ein Glücksgefühl ein?

Wim Wenders, einer der bekanntesten deutschen Filmregisseure, ist sich diesbezüglich offenbar sicher: Denn er hat die Schokolade schon als „Fassbar, greifbar und vor allem essbar gewordenes Glücksgefühl“ bezeichnet. Fest steht, die Schokolade ist die liebste Nascherei der Deutschen. Alleine für die Weihnachtszeit werden von der Süßwarenindustrie 151 Millionen Schokoladen-Weihnachtsmänner produziert. Gerade mal ein Drittel davon wird exportiert. Bleiben noch 100 Millionen für den nationalen Eigenverbrauch.

Ein Schatz alter Kulturen
Um der Faszination der Schokolade auf die Spur zu kommen, bedarf es eines Blicks in ihre Geschichte. Schokolade wächst ja bekanntlich nicht auf Bäumen, sondern muss erst noch hergestellt werden – aus Kakao, ihrem zentralen Bestandteil. Kakao hat seinen Ursprung in Mexiko, wo er bereits zwischen 1200 und 300 v. Chr. von den Olmeken genutzt wurde. Von dort ausgehend entwickelte sich der Kakao zu einem wichtigen Element der Kultur und Mythologie der indigenen Bevölkerung, die ihn als Geschenk der Götter ansahen. Erstmals kultivierten die Maya den Kakao auf kleinen Plantagen so gegen 600 n. Chr. Nach Europa kam der Kakao durch die Entdeckung Mittelamerikas zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurde die Kakaopflanze unter anderem von den Azteken kultiviert, die aus der begehrten Bohne ein mit Wasser gemischtes Getränk herstellten, das sie „xocolatl“ nannten. Dies gilt auch als der Ursprung des Wortes „Schokolade“. Vorbehalten war der Trank ausschließlich Männern, da er den Azteken wegen seiner berauschenden Wirkung für Frauen und Kindern ungeeignet erschien. In Europa hielt sich die Begeisterung für die Bohne aus Übersee auf Grund ihres bitteren Geschmacks zunächst noch in Grenzen. Mit dem Beimengen von Zucker und Honig änderte sich dies jedoch schlagartig. Der Überlieferung nach wurde die Schokolade 1544 erstmals am spanischen Hof getrunken. Aufgrund der teuren Rohwaren blieb die Schokolade bis zur Gründung der spanischen Kolonien zunächst noch ein Getränk der Wohlhabenden. Danach wurde sie aufgrund der günstigeren Beschaffungskosten auch weniger privilegierten Bevölkerungsschichten zugänglich. Als durch Pressung die Abtrennung von Kakaobutter möglich wurde, fand die Schokolade schließlich zu ihrer festen Form.

Was steckt drin? Auf der Suche nach dem Glück
Schokolade besteht aus vergleichsweise wenigen Komponenten: Kakaopulver, Kakaobutter und Zucker. Hinzu kommen weitere Zutaten wie Nüsse, Milch- oder Nougatcreme. Positive Eigenschaften der Schokolade, wie der Schutz des Herz-Kreislaufsystems oder der Blutgefäße, werden eindeutig den im Kakao enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen zugeschrieben. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Ernährungswissenschaftler bei der Wahl der Schokolade empfehlen, auf einen möglichst hohen Kakaoanteil zu achten. Bei dunkler Zartbitterschokolade kann er bis zu 85 Prozent betragen. Im Vergleich dazu weist Milchschokolade einen höheren Zuckeranteil aus und ist entsprechend kalorienreicher. Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Zutatenliste, desto höher der Kakaoanteil und desto hochwertiger die Nascherei.
Seit ihrer Entdeckung wird die Kakaobohne wegen ihrer berauschenden Wirkung geschätzt. Tatsächlich wurde Schokolade noch bis ins 19. Jahrhundert als „Kräftigungsmittel“ in Apotheken verkauft. Eine mögliche Ursache für eine stimmungshebende Wirkung wäre Tryptophan, eine essenzielle Aminosäure, die wir mit der Nahrung aufnehmen müssen. Sie wird unter anderem für die Bildung des Botenstoffs Serotonin benötigt, das umgangssprachlich auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird. Damit wäre die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Schokolade und Glück eigentlich geklärt. Eigentlich. Doch die wissenschaftlichen Fakten zeigen ein anderes Bild. Tryptophan ist nämlich nicht exklusiv in Schokolade enthalten. Ganz im Gegenteil. Die Aminosäure findet sich praktisch in jedem Lebensmittel wieder, das von Natur aus Proteine enthält. Und bei Schokolade ist der Anteil dazu noch vergleichsweise gering, so dass nicht von einer stimmungsaufhellenden Wirkung auszugehen ist. Beim Blick auf andere positive Inhaltsstoffe sieht es nicht viel anders aus. Die ebenfalls im Kakao enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe Theobromin und Koffein wirken zwar anregend für das Nervensystem, sind aber ebenfalls nur in zu geringen Mengen vorhanden, um eine direkt spürbare Wirkung zu erzielen. In einer Tasse Kaffee ist beispielsweise mehr Koffein enthalten als in einer ganzen Tafel Schokolade. Also auch hier Fehlanzeige. Dennoch gibt es Studien, die eine stimmungshebende Wirkung von Schokolade nachweisen konnten. Und damit wären wir wieder bei der Psychologie. Neben dem bereits erwähnten Belohnungscharakter können auch ganz allgemein positive Kindheitserinnerungen im Unterbewusstsein eine Rolle spielen. Dazu kommt die zartschmelzende Konsistenz gepaart mit dem süßen Geschmack.

Fazit:
Aus rein ernährungsphysiologischer Sicht gehört Schokolade nicht zu den ausgesprochen gesunden Lebensmitteln. Die enthaltenen Inhaltsstoffe können für sich genommen auch nicht für Glücksgefühle verantwortlich gemacht werden. Vielmehr sind es wohl die positiven Assoziationen, die dieses bei vielen Menschen auslösen können. Also alles nur Einbildung? Doch selbst wenn es so wäre. Wer Glück empfindet, fragt selten danach, woher es kommt, sondern genießt es einfach. Und dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob das Gefühl nun wissenschaftlich haarklein erklärbar ist oder nicht. Man freut sich, dass es da ist. Maßlosigkeit im Umgang mit Schokolade ist freilich nicht zu empfehlen, auch nicht im Hinblick auf die Verbesserung der Stimmung. Denn durch die hohe Kalorienzahl droht Gewichtszunahme, die im Nachhinein eher Frustration – und damit langfristig das Gegenteil – bewirken kann. Für die kleinen Glücksmomente ist Schokolade aber durchaus geeignet. Das „klein“ sollte im Hinblick auf die Menge aber durchaus wörtlich genommen werden. Dann klappt es auch mit dem Glück.

 

Eine kurze Zusammenfassung? Haben wir: Stimmt das? Schokolade macht glücklich!