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Ernährungsmythos: Karotten sind gut für die Augen!

„ Karotten sind gut für die Augen “ heißt es im Volksmund. Handelt es sich hierbei um einen Mythos oder können die schmackhaften Wurzeln wirklich die Sehkraft verbessern?

Karotten enthalten den gelbroten Naturfarbstoff Beta-Carotin. Den gibt es zwar auch in vielen anderen Gemüse- und Obstsorten, aber in Möhren fällt er besonders auf, weil er ihnen ihr orangefarbenes Erscheinungsbild verleiht.

Durch den Verzehr von Karotten gelangt das Beta-Carotin in den Darm. Hier wird es im Rahmen der Fettverdauung aufgenommen. Dies macht die Anwesenheit von Nahrungsfetten als Transportmittel notwendig. Zudem scheint die Zubereitungsmethode in Bezug auf die Bioverfügbarkeit eine Rolle zu spielen: Das Beta-Carotin aus zerkleinerten, gekochten Karotten ist deutlich besser bioverfügbar als aus den rohen Wurzeln. Aber was hat Beta-Carotin nun mit den Augen zu tun?

Vitamin A und Augengesundheit

Im Körper wird das Beta-Carotin zu Vitamin A umgewandelt. Vitamin A ist essentiell für den Sehprozess – insbesondere die Netzhaut ist auf dieses wichtige Vitamin angewiesen. In ihren lichtempfindlichen Sinneszellen, den Stäbchen und Zapfen, wird das Licht in Nervenimpulse umgewandelt, die das Gehirn verarbeiten kann. Die Stäbchen sind für das Wahrnehmen von Helligkeitsunterschieden bis zu einer bestimmten Lichtintensität verantwortlich. Sie sind entscheidend für die Sicht während der Dämmerung und in der Nacht. In den Stäbchen findet sich das besonders lichtempfindliche Sehpigment Rhodopsin. Die Zapfen werden durch Spaltung ihres Sehpigments Photopsin hingegen erst bei relativ hellem Licht aktiv. Bei ausreichenden Lichtverhältnissen können durch sie Farben wahrgenommen werden.

Vitamin-A-Mangel macht nachtblind

Für den Aufbau von Photopsin und Rhodopsin benötigt der Körper Vitamin A. Ein Vitamin-A-Mangel oder eine Störung des Vitamin A-Stoffwechsels in der Netzhaut macht sich als Erstes durch ein gestörtes Sehen bei Dunkelheit bemerkbar. Das lichtempfindliche Rhodopsin nimmt Vitamin A langsamer als das Photopsin in den Zapfen auf. Bei Engpässen bleibt für den Aufbau von Rhodopsin deshalb nicht genug Vitamin A übrig. Bei einem länger bestehenden Mangelzustand leiden alle Sehpigmente und es kann zudem zu bleibenden Schäden der Hornhaut und Bindehaut bis hin zur Erblindung kommen. Dies stellt in vielen Teilen der Welt ein großes Problem dar. Gerade in Entwicklungsländern leiden viele Menschen unter den Folgen einer chronischen Unterversorgung.

In den westlichen Industrieländern kommt ein Vitamin-A-Mangel dagegen eher selten vor. Aufgrund der guten Versorgung über die Ernährung tritt er in der Regel nur bei bestimmten Risikogruppen auf. Hierzu zählen beispielsweise Menschen mit Vorerkrankungen, die die Aufnahme von Vitamin A negativ beeinflussen, Neugeborene sowie hochbetagte Senioren*innen. Auch Personen, die häufig unter starken Infekten leiden, sind gefährdet, da sie mehr Vitamin A benötigen.

Studien zeigen, dass die Aufnahme von Beta-Carotin bei einem Vitamin-A-Mangel das Sehvermögen deutlich verbessern kann. Sehschwächen wie etwa Kurz-, Weit- und Alterssichtigkeit haben hingegen andere Ursachen als einen Vitamin –A-Mangel und werden durch die gezielte Aufnahme von Beta-Carotin bzw. Vitamin A nicht verbessert.

Fazit:

Die Antwort auf eingangs gestellte Frage, ob Karotten gut für die Augen sind, lässt sich nur im jeweiligen Kontext beantworten. Ernährungswissenschaftlich ist die Sache unstrittig, sobald die Karotten isoliert betrachtet werden. Denn das enthaltene Beta-Carotin kann, wie bereits erwähnt, vom Organismus in Vitamin A umgewandelt werden. Und das ist eindeutig gut für unsere Augen und trägt zur Aufrechterhaltung der normalen Sehkraft bei. Auf der anderen Seite besteht in unseren Breitengraden praktisch kein Vitamin-A-Mangel- auch dann nicht, wenn man keine Karotten mag. Unsere Lebensmittel sind auch ohne sie reich genug an Beta-Carotin, so dass wir diesbezüglich in der Regel gut versorgt sind. Mit anderen Worten: Mit Karotten lässt sich bei den meisten Menschen ohne spezifische Vorerkrankungen die Sehkraft nicht verbessern. Schwierigkeiten beim Sehen haben häufig eine andere Ursache: Viele Augenprobleme sind nämlich auf genetische oder altersbedingte Einflüsse zurückzuführen. Und da helfen Karotten bedauerlicher Weise nicht weiter.

 

Eine kurze Zusammenfassung? Haben wir: Stimmt das? Karotten sind gut für die Augen!