Vitamin E: Zellschutz in Gefahr?
Vitamin E klingt unscheinbar – doch hinter diesem Namen verbirgt sich weit mehr als nur ein einzelner Nährstoff. Es ist ein Sammelbegriff für mehrere fettlösliche Substanzen mit antioxidativen und sogar nicht-antioxidativen Wirkungen. Dazu zählen Tocopherole und Tocotrienole– bekannt ist meist nur das α-Tocopherol, welches die Form ist, die unser Körper bevorzugt speichert – und damit wirklich unseren Bedarf deckt.
Warum Vitamin E so wichtig für den Körper ist
Vitamin E gehört zu den fettlöslichen Vitaminen. Das bedeutet, dass es zusammen mit Fett aus der Nahrung aufgenommen wird und im Körper gespeichert werden kann. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig, weil Vitamin E genau dort wirkt, wo viele Fette im Körper vorkommen – nämlich in den Zellmembranen.
Das α-Tocopherol ist ein zentraler Bestandteil unserer Zellmembranen. Man kann sich diese Membranen wie schützende Hüllen jeder einzelnen Zelle vorstellen. Vitamin E sitzt direkt in diesen empfindlichen Strukturen und bewahrt Membranlipide, Lipoproteine und sogar gespeicherte Fette vor Schäden durch die sogenannte Lipidperoxidation.
Als starkes Antioxidans neutralisiert Vitamin E reaktive Sauerstoffspezies (ROS), aggressive Moleküle, die Zellbestandteile angreifen können. Dabei wird es selbst verbraucht – kann jedoch durch Vitamin C wieder regeneriert werden. Dieses clevere Zusammenspiel zeigt, wie gut die antioxidativen Schutzsysteme unseres Körpers zusammenarbeiten.
Doch Vitamin E kann noch mehr: Es beeinflusst die Genexpression und die Signalweiterleitung zwischen Zellen. Zusätzlich wirkt es entzündungsregulierend im Immunsystem. Es ist unter anderem an der Kontrolle der Prostaglandinbildung beteiligt und unterstützt die Regulation von T-Zellen sowie natürlichen Killerzellen.
Vitamin E über die Ernährung aufnehmen
Vitamin E kann vom Körper nicht selbst gebildet werden – wir sind vollständig auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Interessant ist dabei, dass Vitamin E ausschließlich von Pflanzen synthetisiert wird und daher natürlicherweise nur in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommt.
Besonders reich an Vitamin E sind Nüsse, Samen und hochwertige pflanzliche Öle. Dazu zählen vor allem Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Rapsöl, Leinöl, Olivenöl und Sojaöl. Auch Haselnüsse und Mandeln sowie die daraus gewonnenen Öle liefern größere Mengen an α-Tocopherol.
α-Tocopherol findet sich vor allem in den Chloroplasten, also in den „grünen Kraftwerken" der Pflanzenzellen. Deshalb enthalten grüne Pflanzenteile in der Regel mehr Vitamin E als nicht-grüne oder stark verarbeitete Pflanzenteile. Hier schützt es die empfindlichen mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor Oxidation – genau wie später in unserem Körper.
Tatsächlich steht der Vitamin-E-Gehalt eines Öls häufig in Zusammenhang mit seinem Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Öle mit vielen dieser Fettsäuren enthalten meist auch mehr Vitamin E. Das ist kein Zufall, denn Vitamin E wirkt als natürlicher Schutz und bewahrt die Fette vor dem „Ranzigwerden". Es stabilisiert also nicht nur unsere Zellmembranen, sondern auch die Lebensmittel selbst.
Aus diesem Grund werden Tocopherole auch in der Lebensmittelindustrie als Antioxidationsmittel eingesetzt. In der Europäischen Union sind sie als Zusatzstoffe zugelassen (E 306–E 309). Tocopherolhaltige Extrakte natürlichen Ursprungs dürfen sogar in Bio-Lebensmitteln verwendet werden.
Allerdings kann es bei der Verarbeitung zu Verlusten kommen. Durch Raffination gehen etwa 10 bis 40 Prozent des Vitamin-E-Gehalts verloren. Zwar ist Vitamin E relativ hitzestabil (bis etwa 200 °C), doch starkes oder wiederholtes Erhitzen – etwa beim Frittieren – reduziert den Gehalt deutlich. Deshalb lohnt es sich, möglichst schonend verarbeitete Öle zu wählen und sie nicht unnötig hohen Temperaturen auszusetzen.
Häufige Fragen
Ein Mangel zeigt sich meist durch unspezifische Symptome wie Nervenstörungen, Muskelschwäche oder Koordinationsprobleme. In schweren Fällen kann es zu einer hämolytischen Anämie oder Herzmuskelproblemen kommen.
Vitamin E wirkt als fettlösliches Antioxidans und schützt Zellmembranen vor oxidativen Schäden. Es unterbricht schädliche Kettenreaktionen freier Radikale und stabilisiert so empfindliche Strukturen wie Fettsäuren und Zellbestandteile.
Insbesondere in frühen Stadien kann ein Mangel unbemerkt bleiben. Deutliche Beschwerden treten meist erst bei ausgeprägtem oder länger bestehendem Defizit auf.
Vor allem pflanzliche Öle wie Weizenkeim-, Sonnenblumen- und Rapsöl sind reich an Vitamin E. Auch Nüsse, Samen sowie Mandeln und Haselnüsse liefern größere Mengen.
Für gesunde Menschen mit ausgewogener Ernährung ist eine zusätzliche Einnahme meist nicht notwendig. Hoch dosierte Präparate können Nebenwirkungen haben und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden.