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Ernährungsmythos: Cranberrys schützen vor Blasenentzündung!

Vermehrter Harndrang, Blut im Urin sowie ein Brennen und Stechen beim Wasserlassen – viele Frauen kennen die Anzeichen einer Blasenentzündung nur zu gut. Zur Prävention oder auch zur Begleitung der Therapie wird häufig der Verzehr von Cranberrys empfohlen, beispielsweise in Form von Saft, Tabletten oder Sirup. Doch so weit verbreitet der Glaube an die Schutzwirkung der roten Beeren auch ist, können Cranberrys wirklich einer Blasenentzündung vorbeugen?

Neben der allgemeinen Blasenentzündung leiden Frauen generell häufiger an Harnwegsinfektionen als Männer. Nahezu jede zweite erwachsene Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Harnwegsinfektion. Aufgrund der vergleichsweise kürzeren Harnröhre gelangen Bakterien bei Frauen leichter in die Blase und in den Harnleiter als bei Männern. Bei 5-10 % aller betroffenen Frauen kann sich der Infekt sogar zu einer chronisch wiederkehrenden Entzündung entwickeln, die mehrmals im Jahr auftritt.

Vorbeugen durch Cranberrysaft

Die tiefrote Beere Cranberry Vaccinium macrocarpon ist hierzulande auch unter dem Namen Moosbeere bekannt und stammt ursprünglich aus dem Nordosten Amerikas. Insbesondere ihr Saft ist ein altbekanntes Volksheilmittel, welches bereits seit vielen Jahren zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten empfohlen wird. Die kleine Beere ist reich an Vitamin C und Proanthocyanidinen. Insbesondere die zuletzt genannten Verbindungen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen, werden für die potenzielle Schutzwirkung der Cranberry verantwortlich gemacht.

Wie wirkt die Cranberry?

In den 1920er Jahren wurde die präventive Wirkung der Cranberry zunächst auf ihre ansäuernden Eigenschaften zurückgeführt. Diese Annahme wurde allerdings recht schnell wiederlegt. In den 80er-Jahren deuteten Studien darauf hin, dass spezielle Verbindungen der Cranberry die Anhaftung der Bakterien an den Epithelzellen der Harnwege verhindert und der Verzehr von Cranberryprodukten so vor einer Infektion schützen kann. Zu den häufigsten Auslösern einer Blasenentzündung zählen Escherichia coli Bakterien und Enterokokken. In weiteren Studien wurden die Proanthocyanidine als wirksame Verbindungen der Cranberry identifiziert, die das Anhaften des Bakteriums Escherichia coli an der Schleimhaut der Harnwege beeinträchtigt sollen. Doch auch diese Theorie ist stark umstritten, denn die bakterienhemmende Wirkung wurde zumeist lediglich im Labor und nicht im menschlichen Körper nachgewiesen.

Wirkung der Cranberry nicht eindeutig belegt!

Das grundsätzliche Problem hinsichtlich der präventiven Wirkung der Cranberry ist die stark heterogene Studienlage. Die Verwendung unterschiedlicher Cranberryprodukte (Saft, Tablette, Kapsel) in stark variierender Dosierung erschwert den Vergleich der wissenschaftlichen Arbeiten. Hinzu kommt, dass die aufgenommene Menge der potenziell wirksamen Proanthocyanidine oftmals gar nicht ermittelt wurde. Dementsprechend fallen auch die Studienergebnisse widersprüchlich aus. Während Cranberryprodukte in so mancher Arbeit nicht wirksamer waren als das Placebo, waren in anderen Studien durchaus weniger Harnwegsinfekte in Folge der Einnahme von Cranberryprodukten zu verzeichnen. Die präventive Wirkung wurde vorzugsweise bei den Frauen festgestellt, die generell zu häufigen Harnwegsinfekten neigten.

Fazit:

Die Wirkung der Cranberry ist wissenschaftlich stark umstritten. Sie sollte somit nicht als Heilmittel einer Blasenentzündung oder garantierter Schutz zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten angesehen werden. Dennoch enthält die kleine Beere eine Vielzahl wertvoller Nährstoffe, die unseren Organismus für seine alltäglichen Funktionen benötigt. Wer also gerne Cranberrysaft trinkt, kann dies auch weiterhin tun. Allerdings sollte die Wahl auf einen Saft ohne zusätzliche Zuckerbeigabe fallen.

 

Eine kurze Zusammenfassung? Haben wir: Stimmt das? Cranberrys schützen vor Blasenentzündung!